{"id":214,"date":"2026-06-17T21:13:00","date_gmt":"2026-06-17T21:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/?page_id=214"},"modified":"2026-09-18T20:40:53","modified_gmt":"2026-09-18T20:40:53","slug":"text-2014","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/text-2014\/","title":{"rendered":"Text 2014"},"content":{"rendered":"\n<style data-wp-block-html=\"css\">\n\/* ---------- TEXTSEITEN ---------- *\/\n\n.textcontent {\n    width: 50%;\n    max-width: 760px;\n    margin: 65px auto 100px;\n\n    color: #202632;\n    font-size: 19px;\n    line-height: 1.58;\n}\n\n\n\/* HAUPT\u00dcBERSCHRIFT *\/\n\n.textcontent h1 {\n    margin: 0 0 34px;\n\n    font-size: 29px;\n    line-height: 1.2;\n    font-weight: 400;\n    letter-spacing: 0;\n}\n\n\n\/* ORT \/ UNTER\u00dcBERSCHRIFT *\/\n\n.textcontent h2 {\n    margin: 0 0 px;\n\n    font-size: 19px;\n    line-height: 1.4;\n    font-weight: 400;\n    text-transform: uppercase;\n}\n\n\n\/* VORSPANN *\/\n\n.textcontent .vorspann {\n    margin: 0 0 54px;\n\n    font-size: 18px;\n    line-height: 1.55;\n    font-style: italic;\n\n    color: #454545;\n}\n\n\n\/* FLIESSTEXT: KLASSISCHER BLOCKSATZ *\/\n\n.textcontent p:not(.vorspann) {\n    margin: 0 0 1.35em;\n\n    text-align: justify !important;\n    text-align-last: left !important;\n    text-justify: inter-word;\n\n    hyphens: auto !important;\n    -webkit-hyphens: auto !important;\n\n    word-spacing: normal;\n    overflow-wrap: normal;\n    word-break: normal;\n}\n\n\n\/* MOBILE *\/\n\n@media (max-width: 900px) {\n\n    .textcontent {\n        width: auto;\n        max-width: none;\n        margin: 45px 28px 70px;\n\n        font-size: 18px;\n    }\n\n    .textcontent h1 {\n        font-size: 27px;\n    }\n}\n<\/style>\n\n<div class=\"textcontent\">\n\n<h1>H\u00e4user vorm Himmel<\/h1>\n\n<h2>Einf\u00fchrung<\/h2>\n\n<div class=\"vorspann\">von Achim Hoops (Professor an der HFBK HH)\n<\/div>  \n<p>    \n\nLiebe Besucherinnen und Besucher der Ausstellung,\n<\/p>\n<p>\nwenn man sich fragt, warum die Menschen Bilder machen &#8211; welchen Nutzen und welche Aufgabe Bilder eigentlich haben k\u00f6nnten &#8211; dann fallen einem zun\u00e4chst zwei Gr\u00fcnde daf\u00fcr ein. Der Hauptzweck ist wohl, dass Bilder uns etwas zeigen, was wir im Moment nicht sehen k\u00f6nnen. Sie stellen vor unsere Augen und damit in unsere Vorstellung, was eben gerade nicht da ist, sei es, weil es z. B. zu weit entfernt ist (wie im Reiseprospekt) oder auch weil es schon verschwunden ist (wie auf alten, historischen Fotos). Etwas ist nicht gegenw\u00e4rtig, aber mit Hilfe der Bilder stellen wir uns vor, es sei da oder wir seien dort. So erweitern Bilder unser Wissen von der Welt. (Ich lasse das Problem einmal beiseite, dass auch Bilder l\u00fcgen k\u00f6nnen &#8211; besonders im Reiseprospekt.)\n<\/p>\n<p>\nEin anderer Grund, warum man sich Bilder anschaut ist wohl, dass sie uns etwas besonders Sch\u00f6nes zeigen oder auch &#8211; wenn dieses Etwas in Wirklichkeit gar nicht so sch\u00f6n ist &#8211; es auf eine Art zeigen k\u00f6nnen, die wir als besonders sch\u00f6n empfinden. In diesem Falle bereichern die Bilder unser Gem\u00fct und unser inneres Leben mit Empfindungen und Phantasien, etwa mit Vorstellungen von Harmonie und Ausgeglichenheit.\n<\/p>\n<p>\nWahrscheinlich die beliebtesten und verbreitetsten Bilder sind die, in welchen beide genannten Zwecke zusammenkommen. Das sind die Bilder, die uns etwas weit entferntes Sch\u00f6nes auf eine sehr sch\u00f6ne Art zeigen: z.B. einen blauen Himmel, einen Strand und Palmen. (Sie sehen: ich komme vom Beispiel \u201eReiseprospekt\u201d nicht los.)\n<\/p>\n<p>\nNun gibt es aber ein eigenartiges Ph\u00e4nomen: sehr viele Menschen lieben besonders die Bilder, die etwas zeigen, was sie jeden Tag oder doch sehr h\u00e4ufig auch in Wirklichkeit vor Augen haben. Ich glaube, die meisten Gem\u00e4lde von der Ostseesteilk\u00fcste h\u00e4ngen in den Gebieten nahe der Ostsee und die h\u00f6chste Dichte von gemalten Darstellungen der Nordseebrandung findet man in den Familien-Pensionen auf Sylt. Es ist nat\u00fcrlich einfach, sich dar\u00fcber lustig zu machen, aber das w\u00e4re zu leicht. Diese Bilder leisten n\u00e4mlich einen wertvollen Dienst. Indem jemand, der am Seeufer wohnt, nicht \u00fcber seine Terrasse auf den See schaut, sondern sich stattdessen umdreht und die gleiche Aussicht im Gem\u00e4lde \u00fcber dem Sofa betrachtet &#8211; indem er dies tut, ignoriert er f\u00fcr einen kurzen Moment das vor seinem Fenster Vorhandene. Er tut so, als w\u00e4re es nicht wirklich da, sondern (nur) als Bild. Er wirft sozusagen einen neuen, sehnsuchtsvollen und sch\u00f6nheitssuchenden Blick auf das, was ihm in der Realit\u00e4t t\u00e4glich zur Verf\u00fcgung steht und f\u00fchrt sich dadurch dessen Wert (wieder) vor Augen. Dieser Umgang mit Bildern erweitert nat\u00fcrlich nicht das Wissen von der Welt, aber er leistet einen Beitrag f\u00fcr den Frieden im Gem\u00fct &#8211; und wer wollte sagen, dass dies nichts wert sei.\n\nWenn Sie nun aber denken, das bisher Gesagte h\u00e4tte irgendetwas mit den Bildern von Pia Hodel-Winiker zu tun, muss ich Sie leider entt\u00e4uschen. Keines von den Bildern, die wir hier sehen, erf\u00fcllt die erw\u00e4hnten Aufgaben oder n\u00fctzt f\u00fcr die genannten Zwecke.\n<\/p>\n<p>\nWas ist auf den Bildern zu sehen? Sehr n\u00fcchtern gesagt: Ansichten der Stadt Hamburg, aus \u00f6rtlichen Fenstern gesehen. Man sieht allerdings keine touristischen Sehensw\u00fcrdigkeiten oder besondere Sch\u00f6nheiten der Stadt, welche einen S\u00fcdseeinsulaner an seinem Palmenstrand zum tr\u00e4umen bringen k\u00f6nnten. Die Bilder schildern aber auch keine interessanten und wissenswerten Eigenarten des Lebens der hanseatischen Einwohner. F\u00fcr Ortsfremde taugen sie also weder als Sehnsuchtsmotive noch als Information.\n<\/p>\n<p>\nLeisten die Bilder dann einen Beitrag zur positiven Selbstvergewisserung von uns Hamburgern? Wieder: nein! Der Grund daf\u00fcr ist &#8211; einmal abgesehen davon, dass auch der Hamburger sich lieber mit den Wahrzeichen seiner Stadt identifizieren w\u00fcrde &#8211; der eigentliche Grund daf\u00fcr, dass Pia Hodel-Winikers Bilder nicht als \u201eHamburgensien\u201d taugen, ist heikel, muss aber gesagt sein: f\u00fcr diesen Zweck sind die Bilder nicht sch\u00f6n genug. Oder besser gesagt: man kann die Bilder zwar m\u00fchelos und mit Genuss als sch\u00f6n empfinden, aber man sp\u00fcrt, dass sie nicht gemalt wurden, um sch\u00f6n zu sein. Warum dann?\n<\/p>\n<p>\nDie Antwort ist einfach: die Bilder sind offensichtlich f\u00fcr keinen bestimmten Zweck gemalt worden, auch nicht um \u201enur sch\u00f6n\u201d zu sein. Sie wurden um ihrer selbst willen gemalt, um des Malens willen. Wobei das Malen hier nicht vom Schauen zu trennen ist, sondern beides fast gleichbedeutend ist. Die Bilder sind Folge eines langen und aufmerksamen Hinsehens, sie sind sozusagen Ergebnisprotokolle eines Schauens, das von keinem wie auch immer gearteten Verwertungsinteresse geleitet ist. Folglich ist auch nicht so etwas wie eine beseelte oder beseeligende \u201eKomposition\u201d das Ziel, sei sie nun harmonisch oder auf \u201eSpannungen\u201d aufgebaut. Es geht ausschlie\u00dflich darum, das Gesehene mit dem Gemalten in eine als richtig empfundene Korrespondenz zu bringen. Das Gemalte korrespondiert dann mit dem Gesehenen, wenn die Formen und Farben auf der Leinwand nicht gewisserma\u00dfen nur im geordneten Chor singen, sondern dabei &#8211; wie in Wirklichkeit auch &#8211; ihre Vielstimmigkeit bewahren. In den Bildern, die wir hier sehen, findet daher jede jeweils eigenartige Form und jede besondere Farbe eine Antwort und einen Kommentar in einer anderen Farbe, in einer anderen Form, die wiederum auch ihre jeweiligen Eigenarten behalten. (Das ist etwas ganz anderes als die sogenannte, wom\u00f6glich \u201estimmungsvolle\u201d Komposition eines Bildes.) Solche Korrespondenzen zu finden, zu erkennen und malerisch wiederzugeben ist die wahrscheinlich recht harte und zeitraubende Arbeit der K\u00fcnstlerin, sie gefunden zu haben ist dann der sch\u00f6ne Lohn f\u00fcr die M\u00fche. Dass man dies alles beim Anscha\u00fcn der Bilder nachvollziehen, fast schon miterleben kann, &#8211; das ist das Geschenk an die Betrachter.\n<\/p>\n<p>\nObwohl die Bilder unsere allt\u00e4gliche Umgebung zeigen, sind sie nicht aus einer allt\u00e4glichen, zweckbestimmten Haltung heraus entstanden. Sieht man als das Gegenst\u00fcck zum Alltag das Fest oder die Feier als freie und absichtslose Zeiten, dann zeigen diese Bilder einen Blick auf die Dinge, der sozusagen feierlich ist. Und was feiern die Bilder? Nicht das sch\u00f6ne Hamburg, nicht die Sch\u00f6nheit der Formen und Farben. Die Bilder feiern nichts anderes als die sch\u00f6ne Tatsache, dass wir sehen k\u00f6nnen und wie gut dies damit zusammenpasst, dass es etwas zu sehen gibt &#8211; wenn man hinschaut.\n<\/p>\n<p>\nIch w\u00fcnsche eine sch\u00f6ne Er\u00f6ffnungsfeier!\n<\/p>\n\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4user vorm Himmel Einf\u00fchrung von Achim Hoops (Professor an der HFBK HH) Liebe Besucherinnen und Besucher der Ausstellung, wenn man [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"site-sidebar-layout":"default","site-content-layout":"","ast-site-content-layout":"default","site-content-style":"default","site-sidebar-style":"default","ast-global-header-display":"","ast-banner-title-visibility":"","ast-main-header-display":"","ast-hfb-above-header-display":"","ast-hfb-below-header-display":"","ast-hfb-mobile-header-display":"","site-post-title":"disabled","ast-breadcrumbs-content":"","ast-featured-img":"","footer-sml-layout":"","ast-disable-related-posts":"","theme-transparent-header-meta":"","adv-header-id-meta":"","stick-header-meta":"","header-above-stick-meta":"","header-main-stick-meta":"","header-below-stick-meta":"","astra-migrate-meta-layouts":"default","ast-page-background-enabled":"default","ast-page-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-5)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ast-content-background-meta":{"desktop":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"tablet":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""},"mobile":{"background-color":"var(--ast-global-color-4)","background-image":"","background-repeat":"repeat","background-position":"center center","background-size":"auto","background-attachment":"scroll","background-type":"","background-media":"","overlay-type":"","overlay-color":"","overlay-opacity":"","overlay-gradient":""}},"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-214","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=214"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":482,"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/214\/revisions\/482"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/pia-hodel-winiker.de\/neu\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}